Social Media ist Sex

“Aufregend, ja. Aber auch normal und irgendwie alltäglich. Zumindest für Erwachsene”, zitiert die IWB Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, Verantwortlicher für die digitale Strategie bei der Agentur Achtung. Vielleicht ist gerade das einer der Gründe, warum es im Bereich Social Media so schnell geht, zu einem Experten zu werden?

Esel brüllt "i am an social media expert"

Eine wirklich Definition gibt es nämlich scheinbar nicht, wenn es darum geht den Expertenstatus zu beschreiben. Daniela Winderl von der IWB hat sich dazu mal drei Blogs von Agentur-Profis angeschaut. Nico Lumma von Scholz & Friends, Christian Bölling (Häberlein & Mauerer) und Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach sind sich soweit einig, dass es nicht darauf ankommt, möglichst auf diversen Kongressen präsent zu sein. Viel wichtiger sind Erfahrungen und Referenzen.

Man wird nicht zu einem Social Media Experten, nur weil man viele Follower auf Twitter hat, den Unterschied zwischen Facebook-Pages und Profilen kennt oder es geschafft hat, ein eigenes Weblog aufzubauen mit möglichst vielen Icons darauf die zeigen sollen: Seht her, ich weiß, was es alles gibt. Schaut man sich die Entwicklung in Zahlen an, wie es unter anderem  Social-Media-Expert.com mal gemacht hat, merkt man:  Wer die Wahl hat, hat die Qual. Denn alleine bei der Google-Suche ist die Anzahl des englischen Begriffs “Social Media Expert” von weltweit 28.000 Treffer (2007-2008) auf 274.000 Treffer gestiegen (2009). Betrachtet man nur den deutschsprachigen Raum (statt “Expert” der “ExpertE”), so stieg die Anzahl von 2007/2008 bis heute um fast 600 Prozent! Und was macht dann einen Social Media Experten aus? Einige wichtige Kennzeichen hat Social-Media-Expert.com aufgelistet:

  • Mut zur Lücke: Man kann und muss nicht alles wissen.
  • Eigene Aktivitäten im Social Web: Auch, wenn man nicht alles selber nutzt, sollte man wissen, wie es funkioniert.
  • Er sagt auch mal “Lohnt sich nicht”: Nicht jede Plattform ist für jeden Zweck geeignet.
  • ROI, Metrics und CPL: Man muss wissen, wie man Erfolge und Entwicklungen messen kann.
  • Geek oder Nerd?: Trotz digitaler Welt – der reale Austausch mit anderen Experten in einer gemütlichen Kneipe ist genau so wichtig.

Die Seite conversationmarketing.com hat bereits vor einiger Zeit zehn Fragen für die Bewertung eines Social Media Experten zusammen gestellt. Abgefragt werden da nur zu einem kleinen Teil die eigenen Social Media Aktivitäten. Vielmehr geht es um das Verständnis von Fachbegriffen, Arbeitsweisen und Strategien.

In einem weiteren Beitrag bringt es Ian Lurie auf den Punkt: Netzwerke müssen zu einem wertvollen Gut werden. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass Ian Lurie den Begriff “Social Media”, also “soziale Medien” nicht mag: “No reason to beat that dead horse any more.” Denn Social Media ist eigentlich nix Neues. Als ich vor 15 Jahren in Foren, Mailinglisten oder Chatrooms meine ersten Schritte im WWW unternahm, war das doch auch schon die Nutzung von Social Media. Aber die Teilnahme und Nutzung macht einen noch nicht zu einem Experten.

Die Frage ist nicht, WAS man nutzen kann, sondern WIE. Auch wenn man von Youtube über Twitter, Facebook, Wer-Kennt-Wen, StudiVZ, Flickr und Qype bis zu Posterous oder flavors.me alles super abdeckt – es garantiert keinen erfolgreichen Aufbau eines Netzwerks oder einer Community und damit auch keinen Gewinn. Denn, seien wir doch ehrlich: Jedes Unternehmen, dass Social Media einsetzten möchte, fragt zuerst nach dem Nutzen.

Und es gibt viele Bereiche, wo Social Medie sehr nützlich ist und sogar zu einem echten Gewinn werden kann. Aber dazu muss man die richtige Mischung der Zutaten kenne. Einen Kuchen aus einer Fertigpackung zu backen macht mich schließlich auch nicht zu einem Konditor.

Oder wie es Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach beschreibt:  “Das ist wie von Sex zu reden, ohne je welchen gehabt zu haben.”

Bookmark and Share

6 Kommentare »

Nicole am April 12th 2010 in Allgemein, Netzwerke, Social Media

6 Kommentare zu “Social Media ist Sex”

  1. Tweets die Social Media ist Sex" - Über Experten und jene, die es sein wollen #socialmedia #expert erwähnt -- Topsy.com schrieb am 12 Apr 2010 um 23:30 #

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Nicole Celikkesen, Doktor Social erwähnt. Doktor Social sagte: Social Media ist Sex – Lochscheibe http://bit.ly/brxFjp #sm_roi [...]

  2. Falk Ebert schrieb am 13 Apr 2010 um 00:02 #

    Ist Social Media (im Gegensatz zu Sex) nicht für die Kinder alltäglicher? ;)

  3. Nicole schrieb am 13 Apr 2010 um 11:43 #

    @Frank Ebert:
    Stimmt eigentlich ;-) .

  4. Reinhardt schrieb am 18 Apr 2010 um 17:55 #

    Hallo Nicole!

    Das Schlusszitat trifft den Punkt ziemlich genau! Über Social Media zu bloggen und kurz mal 5 Tipps mit der Überschrift “Die 5 Geheimnisse für erfolgreiches Twitter-Marketing” für einen Blogartikel zu formulieren, reicht schon lange nicht mehr, um Experte auf dem Gebiert “Social Media” zu sein (hat auch noch nie gereicht). Was zählt – und was Du auch erwähnst – ist praktisches Wissen und die eigene Aktivität im Social Web. Um Social Media in Unternehmen zu integrieren, gehört dann noch weitere Expertise dazu, die gar nichts mit dem Web 2.0 zu tun hat. Von PR- und Marketing-Grundlagen mal abgesehen…

    LG

  5. Bianca schrieb am 11 Mai 2010 um 20:28 #

    Hallo Nicole,

    hach, was wäre ich froh, wenn Unternehmen wüssten, warum sie Social Media wirklich einsetzen wollten. Ich habe da ganz andere Erfahrungen gemacht. Oft wollen sie ein Wiki oder ein Blog etc., können aber gar nicht wirklich sagen, was ihre eigentliche Ziele dafür sind. Und ich gebe Dir völlig Recht: Tools sind eigentlich nicht wichtig und schon gar nicht wird man dadurch zum Experten.

    Gruß
    Bianca

  6. Nicole schrieb am 11 Mai 2010 um 20:59 #

    Hi Bianca,

    oh ja, ich weiß genau, was Du meinst. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Unternehmen, für die das ein oder andere Tool wirklich eine Bereicherung wäre, sie aber darin nur Zusatzarbeit sehen.

    Aber mal sehen, was die Zukunft noch bringt. Wenn uns vor zehn Jahren jemand erzählt hätte, irgendwann wird ein Dienst super beliebt, mit dem man nur maximal 140 Zeichen schreiben kann – wäre ein wenig wirr rüber gekommen ;-) .

    Übrigens: Nette Seite! Bin direkt hängen geblieben.

    Gruß
    Nicole

Trackback URI | Comments RSS

Kommentar schreiben

Get Adobe Flash playerPlugin by wpburn.com wordpress themes